Osttimors gestohlene Kinder müssen endlich zurückgeführt werden!
Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung in Osttimor (30. August) zwei Jahre nach den Vertreibungsverbrechen Indonesiens
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Bozen, Göttingen, 28.8.2001

Zwei Jahre nach den schweren Vertreibungsverbrechen indonesischer Truppen und proindonesischer Milizen auf Osttimor werden noch immer mindestens 176 osttimoresische Kinder gegen ihren Willen in Indonesien festgehalten. Dies hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der indonesischen Regierung am Dienstag vorgeworfen.
"Das Schicksal dieser traumatisierten Kinder darf der Weltöffentlichkeit nicht länger gleichgültig sein, sie müssen endlich wieder zu ihren Eltern gelassen werden", forderte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius in Göttingen anlässlich des zweiten Jahrestages der Volksabstimmung für die Unabhängigkeit des seit 1975 von Indonesien besetzten Osttimors am 30. August 1999. Am Donnerstag finden dort erstmals Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung statt. Auch der osttimoresische Außenminister und Friedensnobelpreisträger José Ramos Horta setzt sich bei den Vereinten Nationen für die Freilassung der Kinder ein.

Mindestens 130 osttimoresische Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren, die mit ihren Eltern im Sommer 1999 in das indonesische Westtimor vertrieben worden waren, seien von Gegnern der Unabhängigkeit Osttimors auf die indonesische Insel Java gebracht worden, berichtete Delius. Dort sollten sie zu pro-indonesischen Kadern ausgebildet werden. Die Erlaubnis der ahnungslosen Eltern habe sich Octavio Soares, der Neffe des ehemaligen von Indonesien ernannten Gouoverneurs Abilio Soares, erschlichen mit der Zusicherung, den Kindern eine gute Ausbildung zu geben. Abilio Soares steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor Gericht. Weitere 46 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren seien erst im Juni 2001 nach Java gebracht worden.

"Die versprochene Ausbildung haben die Kinder nie bekommen", sagte Delius. Ihnen sei jeder Kontakt mit ihren Eltern untersagt worden und schon wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Java hätten die Ausbilder nicht mehr für die Versorgung der Kinder aufkommen können. Inzwischen lebten sie meist in Waisenhäusern und anderen Einrichtungen der Katholischen Kirche. Ungeachtet vieler Appelle der Kinder und ihrer Eltern sind die indonesischen Behörden bislang nicht zur Familienzusammenführung bereit.

Im Gegenteil: Mit aller Macht widersetzen sich die Gegner der Unabhängigkeit Osttimors einer Rückführung der Kinder. UN-Vermittlern wurde mit dem Tod gedroht, sollten sie die Kinder ohne Zustimmung der Ausbilder repatriieren. Als UN-Mitarbeiter im Juli 2001 zwölf Kinder in ihre Heimat zurückführen wollten, kam es zu einem der schwersten Zwischenfälle: Um ihren Heimflug zu verhindern, entführte Soares am 17. Juli die Kinder aus dem Waisenhaus, das sich um die Verschleppten gekümmert hatte.



Siehe auch:
Terror in Osttimor - (http://www.gfbv.it/3dossier/timor-dt.html)
 
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