info@gfbv.it 21. Maerz: Zum Kurdischen Neujahrsfest (Newroz) gaebe es wenig Gruende zum Feiern. Die gewaltsame Unterdrueckung des kurdischen Volkes geht unvermindert weiter! 20.3.2001  
21. März: Zum Kurdischen Neujahrsfest (Newroz) gäbe es wenig Gründe zum Feiern.
Die gewaltsame Unterdrückung des kurdischen Volkes geht unvermindert weiter.
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Bozen, 20.3.2001


NewrozAm 21. März findet das kurdische Neujahrsfest statt, das bedeutendste und von Sagen umwobene Fest für dieses Volk. Die Sage erzählt vom persischen Tyrannen Zuhak, der auf seinen Schultern zwei äußerst schmerzhafte Tumore hatte, aus denen zwei Schlangen herauskamen, um sich von seinem Gehirn zu ernähren. Die Ärzte wußten keinen Rat und keiner war in der Lage, ihn zu heilen oder seine Schmerzen zu lindern. Satan riet dem Tyrannen, jeden Tag zwei Gehirne von Jünglingen auf die Wunden zu legen. Der Tyrann hatte aber Mitleid mit den Opfern und begann, das Gehirn der Jünglinge mit jenem von Schafen zu ersetzen. Die dem Tod entronnen Jünglinge zogen sich in die Berge zurück. In der Stadt lebte der Schmid Kawa, dessen Söhne vom Tyrannen ermordet worden waren. Kawa machte aus seiner Schürze einen Wappen und rief damit die Bewohner der Berge zusammen, mit denen er den Palast des Tyrannen angriff und den Tyrannen tötete. Dies geschah laut der Überlieferung am 21. März des Jahres 612 v. Chr. (fällt geschichtlich mit der Einnahme der assyrischen Hauptstadt Ninive zusammen). Die Kurden sehen Kawa als ihren Vater an und die junge Bergbevölkerung als ihre Ahnen an; der 21. März wurde deshalb zum Neujahrsfest (Newroz). [Für weitere Informationen (italienisch) zur kurdischen Überlieferung siehe http://www.gfbv.it/3dossier/kurdi/parte2.html]

Halabja, 16.3.1988Das kurdische Neujahrsfest wurde von den verschiedenen Regimen, denen die kurdischen Gebiete unterstellt waren und sind, nie gern gesehen, ist es doch ein Symbol des Aufstandes. In der Türkei gehört es schon zur traurigen Tradition, dass die türkische Armee am 21. März vor allem in Diyarbakir, der symbolischen Hauptstadt Kurdistans, in die Menge schießt - jedes Jahr gibt es Tote und Verletzte, und dies nur aufgrund der Tatsache, dass Menschen feiern. Das irakische Regime ließ kurz vor dem Neujahrsfest, am 18. März 1988, die Stadt Halabja mit Giftgas bombardieren; dabei starben an die 5.000 Menschen, vor allem Frauen und Kinder (siehe dazu Pressemitteilung - http://www.gfbv.it/2c-stampa/1-01/15-3-dt.html).

Der nicht erklärte Krieg gegen das kurdische Volk geht in allen Staaten, in denen Kurden leben, unvermindert weiter. Nach der offiziellen Waffenniederlegung der PKK und der "bewaffneten Truppen des türkischen Widerstands", wie sie beschönigend bezeichnet werden, suchen die kurdischen Parteien nach einem Ausweg, den es nicht zu geben scheint, da die Türkei nicht in der Lage ist, die kurdische Angelegenheit auf demokratische, halbwegs tolerante Art anzugehen. Der Krieg der türkischen Spezialeinheiten gegen die Kurden hat mindestens 30.000 Opfer gefordert, es wurden mehr als 4.000 kurdische Dörfer zerstört, Millionen Kurden haben ihr Zuhause verloren und sind in der Folge in die türkischen Städte, wo sie in den Slums unter unmenschlichen Bedingungen leben, oder aber nach Westeuropa geflohen. Der Bahnhof Bozen ist für die kurdischen Flüchtlinge eine Durchgangsstation Richtung Deutschland und andere nordeuropäische Länder. Menschenrechtsorganisationen und kurdische Parteien suchen einen Ausweg aus der bisherigen Politik und fordern von der Türkei, endlich die multiethnische Eigenschaft des Staates anzuerkennen und den zahlreichen Minderheiten ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

In diesem Sinn wollen wir mit den Kurden ihr wichtigstes Fest feiern, obwohl sie derzeit kaum Gründe zum Feiern haben. Am 21. März ab 18.00 Uhr findet im "Europa"-Saal im Neubruchweg 11 in Bozen, ein Kulturfest mit Gesang, Tanz und kurdischen Gerichten statt.
 

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