Bundeskanzler Schröder empfängt Präsident Kolumbiens
GfbV erinnert an 600 ermordete Indianerführer und fordert: Verbrechen der Guerilla und Paramilitärs Einhalt gebieten - indianische Friedensinitiativen ernst nehmen
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Bozen, 26.4.2001


Ein Vertreter der U'WA aus KolumbienHolzkreuze mit den Namen von ermordeten Indianern gebettet auf schwarzen Tüchern sollten den kolumbianischen Präsidenten Andrés Pastrana am Donnerstag daran erinnern, dass in den vergangenen 15 Jahren rund 600 führende Persönlichkeiten der Ureinwohner Kolumbiens Opfer gezielter Mordanschläge aller bewaffneter Konfliktparteien geworden sind. Aktivisten der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderten den Politiker während ihrer Menschenrechtsaktion vor dem Bundeskanzleramt in Berlin auf Transparenten dazu auf, den heutigen Verbrechen an Indianern Einhalt zu gebieten und indianische Friedensinitiativen ernst zu nehmen. Immer wieder geraten die etwa 700.000 Ureinwohner Kolumbiens zwischen die Fronten von Armee, paramilitärischen Banden, Drogenmafia und linken Guerillabewegungen. Präsident Pastrana ist von Mittwochabend bis Freitagmittag in Deutschland. Er wurde am Donnerstag von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit militärischen Ehren empfangen.

In einem offenen Brief forderten die Menschenrechtler den deutschen Bundeskanzler dazu auf, die Ureinwohner bei seinen Gesprächen mit Pastrana in Schutz zu nehmen. "Repräsentanten der Indianer, die öffentlich auf die Durchsetzung der Landrechte ihrer meist bäuerlichen Gemeinschaften bestehen oder Selbstverwaltung fordern, nehmen ein hohes Risiko auf sich. Unter dem Vorwand der Aufstandsbekämpfung gehen Militär und Paramilitärs rücksichtslos gegen Ureinwohner vor", kritisierte der GfbV-Experte für indigene Völker (Ureinwohner), Dr. Theodor Rathgeber. Gang und gebe seien jedoch auch Zwangsrekrutierungen indianischer Minderjähriger durch die Guerilla. Wer sich dem entgegen stelle, begebe sich in tödliche Gefahr. "Für zwei Drittel aller gravierenden Menschenrechtsverletzungen sind paramilitärische Banden verantwortlich", heißt es in dem Schreiben der GfbV. Es sei erwiesen, dass die staatlichen Sicherheitskräfte mit ihnen zusammenarbeiten. 388 Offiziere der kolumbianischen Streitkräfte seien im Oktober 2000 aus dem aktiven Dienst entfernt worden, weil ihnen Verbindungen zu paramilitärischen Banden zur Last gelegt wurden. Bisher sei gegen kaum einen dieser Offiziere ein Verfahren eingeleitet worden.

Erst wenn erkennbar sei, dass die Paramilitärs effektiv bekämpft, die Indianer als eigenständige Gruppe in die Friedensbemühungen mit einbezogen und ihre Initiativen zur friedlichen Beilegung des Konfliktes ernsthaft diskutiert würden, dürfe Schröder Kolumbien Unterstützung zusagen.

Weitere Informationen finden sich unter folgenden Web-Addressen:
http://www.gfbv.it/2c-stampa/2-00/4b-10-dt.html  |  http://www.gfbv.it/2c-stampa/2-00/8-9-dt.html  |  http://www.gfbv.de/  |  http://www.verdi.it/  |  http://www.ran.org/  |  http://www.amazonwatch.org/

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