Brasilien
Das Engagement der GfbV für die Indianer Brasiliens
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Bozen, 6.7.2001

INHALT
EINLEITUNG | GfbV bringt Yanomami und Waiapi medizinische Hilfe | GfbV unterstützt Makuxí und Pataxó bei Landrechtskonflikten | Die Tapeba ringen um Anerkennung | Guaraní-Kaiowá: dramatische Selbstmordrate | Das unternimmt die GfbV für die Indianer Brasiliens | Die Indianer Brasiliens


EINLEITUNGoben
Rüdiger Nehberg4. April 2000: Nach 43 einsamen Tagen und 2.000 Seemeilen auf dem Atlantik landet Rüdiger Nehberg, der 64-jährige Aktivist der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), mit seinem 17 Meter langen Baumstamm in Fortaleza an der Nordostküste Brasiliens. Auf dem 30 Quadratmeter großen Segel seines ungewöhnlichen Gefährts steht der Appell unserer Menschenrechtsorganisation an die brasilianische Regierung: "500 Jahre Brasilien - Schützt die Indianer - Respektiert ihre Landrechte - Erhaltet den Regenwald". Begeistert wird Nehberg von den Vertretern indianischer Organisationen, Mitarbeitern der GfbV sowie von zahlreichen Journalisten und Schaulustigen empfangen.
Seine dritte Atlantiküberquerung hat Rüdiger Nehberg etwa 10 Kilo leichter und seinen Bart schneeweiß gemacht. "Ich bin glücklich, dass es mir noch einmal gelungen ist. Doch das Abenteuer war nicht Selbstzweck, sondern Auftakt zur neuen Kampagne der GfbV", sagt er bei seiner Rückkehr. In diesem Frühjahr wird in Brasilien der 500. Jahrestag der Ankunft des portugiesischen Seefahrers Pedro Alvares Cabral gefeiert. Aus diesem Anlass wollen wir über die schrecklichen Verbrechen der europäischen Eroberer an den indianischen Ureinwohnern informieren. Mit Projekten, die den Betroffenen unmittelbar zugute kommen, engagieren wir uns für die Durchsetzung indianischer Rechte.

Enorme Resonanz in Brasilien
The TreeBrasilien hat sich spätestens 1992 auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro international verpflichtet, den Bestand seiner Regenwälder zu sichern und seine indianischen Völker zu schützen. Deutschland und andere Industriestaaten haben die Demarkierung indianischer Territorien im Amazonasgebiet mit Millionenbeträgen gefördert. Doch brasilianische Politiker, das Militär, Großgrundbesitzer, Neusiedler, Holz- und Tourismusunternehmen haben Einsprüche gegen die Demarkierungen erhoben und die Regierung auf ihre Seite gezogen. Selbst die nationale Indianerbehörde FUNAI verteidigt oft das Interesse der Mächtigen gegen dasjenige ihrer Schutzbefohlenen. Nur ein Teil dieser Konflikte konnte zugunsten der Indianer entschieden werden. Andere ziehen sich bis heute weiter - vor Gerichten oder durch gewaltsame Übergriffe auf die betroffenen Gemeinschaften.
Vor diesem Hintergrund hat die Aktion Rüdiger Nehbergs hohe Wellen geschlagen. Auch über die Pressekonferenz in der Bundeshauptstadt Brasilia, bei der wir einen 60-seitigen Report über die beklemmende Situation der Indianer vorlegten, berichteten viele überregionale brasilianische Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen. Auf Zustimmung stießen unsere Aktivitäten vor allem auch bei der Dachorganisation der brasilianischen Indianer CAPOIB und beim katholischen Indianer-Missionsrat CIMI: Von dem auf einen Sattelschlepper montierten Baumstamm waren unsere Partner so fasziniert, dass sie damit eine spontane Demonstrationsfahrt durch das Regierungsviertel durchführten!
Sowohl der Vorsitzende des brasilianischen Senats Magalhaes, wie der Vorsitzende des Komitees für Menschenrechte im Nationalparlament Pedro Wilson, wie auch Vertreter der sechsten Kammer der Bundesanwaltschaft, die für Indianerangelegenheiten zuständig ist, empfingen eine Abordnung von Ureinwohnern und GfbV. Vor allem mit Letzteren verlief das Gespräch sehr positiv: Wir vereinbarten die Vermittlung eines Rechtshilfeprogramms bei Landstreitigkeiten.
Auch in Zukunft werden unsere Wachsamkeit und unser Einfallsreichtum gebraucht: Noch immer dringen Großinvestoren, Goldgräber und andere Glücksritter auf das Land der Indianer vor, drohen gigantische Infrastrukturmaßnahmen ihre Lebensgrundlagen zu zerstören. Andererseits haben der internationale Druck und Pionierprojekte wie die Yanomami-Krankenstation von Christina Haverkamp und Rüdiger Nehberg bereits Wirkung gezeigt: Die brasilianische Regierung hat in diesem Jahr erstmals ein Programm zur Gesundheitsversorgung von Amazonasindianern durch private Hilfsorganisationen aufgelegt.
In Deutschland hat Rüdiger Nehbergs wagemutige Überfahrt ein Rekordecho von mehr als 600 Presse- und Rundfunkbeiträgen erzielt. Wenn der 19 Tonnen schwere Baumstamm, von seinem Erbauer liebevoll "THE TREE" genannt, demnächst per Frachtschiff zurückkehrt, soll er mit Hilfe von Sponsoren auf der EXPO 2000 in Hannover sowie in anderen großen Städten ausgestellt werden und so die neue Kampagne der GfbV für die Indianer Brasiliens begleiten. Was wir uns im Einzelnen vorgenommen haben und wie Sie uns dabei unterstützen können, erfahren Sie in diesem Rundbrief.


GfbV bringt Yanomami und Waiapi medizinische Hilfeoben
Christina Haverkamp bei den Yanomami in BrasilienFast drei Jahre lang unterhalten wir im brasilianischen Amazonasregenwald unsere Yanomami-Krankenstation. Dieses für viele Indianer lebensrettende Projekt konnte nur durch großzügige Spenden einzelner und das Engagement vieler realisiert werden: So organisierten etwa Schüler Aktionen, Flohmärkte, Konzerte oder Ausstellungen. Christina Haverkamp und Rüdiger Nehberg hatten auf ihren Vorträgen unermüdlich um Hilfe gebeten oder auf ihre Honorare verzichtet. Insgesamt flossen 130.000 Mark in unser Yanomami-Projekt. Allen Spendern danken wir hier noch einmal herzlich.
Jetzt erreichte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine sehr erfreuliche Nachricht: "Die brasilianische Regierung hat Nichtregierungsorganisationen Finanzmittel für die medizinische Versorgung von Indianergemeinschaften zur Verfügung gestellt", berichtete die GfbV-Menschenrechtsaktivistin Christina Haverkamp Ende Januar 2000 aus Brasilien. "Wir können unsere Station nun an das brasilianischen Hilfswerk Secoya übergeben." Secoya genießt unser volles Vertrauen. Die Organisation wird sechs Yanomami-Dörfer am Rio Marauia versorgen, darunter unsere Station in Ixima.
Am 23. Februar 1997 hatte Christina Haverkamp die GfbV-Krankenstation an den Yanomami-Häuptling Tozinho übergeben. Schon während der sechsmonatigen Bauphase konnten 60 malariakranke Indianer erfolgreich behandelt werden. Die Dorfbewohner hatten bei der Errichtung des Gebäudes, in dem auch eine kleine Schule untergebracht ist, tatkräftig mitgeholfen. Die Französin Ana Ballester, die jahrelang unter den Indianern gelebt und die Betreuung des GfbV-Projektes übernommen hat, leistete vorbildliche Arbeit: Zwei von ihr angeleitete Yanomami können inzwischen bei der Krankenversorgung mithelfen. Ana wird in Ixima bleiben und nach dem Rechten sehen.
Seit Anfang des Jahres unterstützten wir zudem den Aufbau einer zweiten Regenwald-Schule in dem Yanomami-Dorf Papiu Novo. Die Indianer selbst wollen in ihrer eigenen Sprache sowie in Portugiesisch Lesen und Schreiben lernen. Denn Sie wissen: Nur so können sie ihre Interessen verteidigen. Sie haben keine andere Alternative, die Konfrontation mit der westlichen Zivilisation durchzustehen. Medizinisch betreut werden die Yanomami in Papiu Novo von der Hilfsorganisation Medecins du monde.
Rüdiger Nehberg will den Waiapi-Indianern im Norden Brasiliens beim Aufbau eines kleinen Gesundheitspostens helfen. Denn sechs ihrer Dörfer sind von medizinischer Hilfe weitgehend abgeschnitten, klagten die Indianer bei seinem Besuch im März. Die Grenzen ihres Gebietes waren auch mit Mitteln aus Deutschland Mitte der 90-er Jahre demarkiert worden. Die Jäger und Sammler sind jetzt juristisch abgesichert gegen illegale Eindringlinge und führen selbst Grenzkontrollen durch. In den 70-er Jahren war dieses Volk vor allem durch eingeschleppte tödliche Krankheiten auf nur noch 71 Angehörige zusammengeschmolzen.
Heute gibt es wieder mehrere hundert Waiapi. Sie haben ihre traditionelle Lebensweise sowie ihr detailliertes Wissen über die Natur bewahren können. Zur Jagd benutzen sie inzwischen neben Pfeil und Bogen auch Gewehre. Um Munition oder Stoffe kaufen zu können, waschen sie gelegentlich Gold in einfachen Schürfpfannen ohne Zusatz von hochgiftigem Quecksilber zur Goldtrennung. Die Erlöse reichen bei Weitem nicht für eine Krankenstation.


GfbV unterstützt Makuxí und Pataxó bei Landrechtskonfliktenoben
Bei unseren Begegnungen in Brasilien im März 2000 sprachen sich alle indianischen Repräsentanten für eine internationale Einmischung in Landrechtskonflikte aus. Aus Erfahrung wissen sie, wie sehr die brasilianische Regierung Imageverluste im Ausland fürchtet. Deshalb wird die GfbV weiterhin eilige Protest- und Appellkampagnen starten - so z.B. für die Gemeinschaften der Makuxí und Pataxó, deren Fälle wir unten vorstellen. Zugleich wollen wir neue Wege, indem wir ein juristisches Austauschprogramm für aufgeschlossene Mitglieder der brasilianischen Bundesanwaltschaft und Rechtsanwälte der Ureinwohner vermitteln. Schließlich wird die GfbV einen Rechtshilfefonds zur Unterstützung der Indianer bei der Anerkennung ihrer Gemeinschaften und Territorien initiieren.
Die etwa 9.500 Makuxí leben in dem 1,57 Millionen Hektar großen Savannengebiet Raposa Serra do Sol im Bundesstaat Roraima. Sie siedeln in 68 Malocas (Runddörfern) in enger Nachbarschaft zu den Ingarika, Wapixama und Taurepang. Seit drei Jahrzehnten soll ihr Territorium in seinem gesamten Umfang anerkannt werden. Doch illegale Eindringlinge haben dort seit den 70-er Jahren zwei Ortschaften und 178 Weiler errichtet. Sie haben fischreiche Seen und Flussläufe sowie große Weideflächen für ihre Viehherden eingezäunt.
Im Dezember 1998 unterzeichnete Staatspräsident Enrique Cardoso den Erlass Nr. 820, der die Demarkierung von Raposa Serra do Sol einleiten sollte. Doch Großgrundbesitzer, Neusiedler, Industrie und sogar der Gouverneur von Roraima starteten einen Feldzug gegen die Demarkierung bis hin zur Androhung physischer Gewalt. Daraufhin entschied Justizminister Renan Calheiros, das für die Makuxi vorgesehene Gebiet wieder zu verkleinern.
Angesichts zahlloser Proteste aus dem In- und Ausland - auch die deutsche Botschaft hatte sich nach dem Stand der Dinge erkundigt - sagte die FUNAI dem Indianerrat von Roraima im Dezember 1999 zu, die Unterschrift des Präsidenten unter die Landvergabeurkunde innerhalb von 10 Tagen einzuholen. Nachdem abermals nichts geschah, blockierten Makuxí Straßen durch ihr Territorium. Die Landesregierung schickte Polizeitruppen, um ihre Proteste zu unterbinden. Dagegen blieben die Sicherheitskräfte untätig, als Pistoleiros am 4. März 2000 im Weiler Ananáis ein Fahrzeug der Mission Servas do Espírito Santo zerstörten und seine Insassen, zwei Ordensschwestern und neun Ureinwohner zwangen, zu Fuss weiterzugehen. Auch der Bischof von Roraima, Aldo Mongiano, hat mehrfach Morddrohungen erhalten, weil er die Demarkierung von Raposa Serra do Sol befürwortet.
Die indigene Demonstration in Coroa Vermelha vom 21. April 2000. Foto: Cristina RibeiroDie Pataxó Hã Hã Hãe im Bundesstaat Bahia wurden schon mehrmals von Großgrundbesitzern vertrieben. Ein Objekt des Streits sind Gebiete im Landkreis Pau von insgesamt etwa 54.100 Hektar, die den Pataxó erstmals 1926 und erneut 1982 durch die Indianerbehörde FUNAI zugewiesen worden waren. Immer wieder kehrten die Pataxó auf ihre Ländereien zurück - um von Pistoleiros erneut verjagt zu werden. Der Kampf um ihr Land hat bereits mehr als 30 führenden Persönlichkeiten dieser Ureinwohner das Leben gekostet. Auch hier sieht die lokale Polizei gleichgültig zu oder beteiligt sich an den Vertreibungen.
Glimpflich kamen auch die Mörder des Pataxó Galdino Jesus dos Santos davon. Im April 1997 war Dos Santos nach Brasilia gereist, um bei den Behörden die Rückgabe einer 778 Hektar großen Fazenda an sein Volk einzufordern. Des Nachts wurde der Indianer, auf einer Parkbank liegend, von vier jungen Männern angezündet. Er starb qualvoll. Vor Gericht wurde die rassistische Tat 1998 nicht als Mord, sondern als Körperverletzung eingestuft.
Bis heute ungeklärt ist der Indianermissionsrat CIMI erhobene Vorwurf gegen den Abgeordneten und Arzt Roland Lavigne, an den Pataxó Hã-Hã-Hãe Genozid begangen zu haben. Lavigne soll zwischen 1994 und 1998 mindestens 63 Frauen der Pataxó Hã-Hã-Hãe sterilisiert haben, ohne sie über die Tragweite des Eingriffes aufgeklärt zu haben.
Seit dem 19. Dezember 1999 blockieren über 200 Angehörige der Pataxó Hã Hã Hãe den Weiterbau am “Offenen Museum der Entdeckung” in Coroa Vermelha, wo der Portugiese Cabral vor 500 Jahren seine ersten Schritte auf indianischem Boden tat. Im selben Landkreis, Cabrália, haben seither etwa 100 Pataxó-Familien mehr als 1.500 Hektar Land besetzt, das ihnen zugesprochen wurde.
Am 16. März 2000 erhielten die Pataxó Hã Hã Hãe eine offizielle Anerkennung für ihren zähen Widerstand im Landkreis Pau. Im brasilianischen Parlament wurde ihnen der Menschenrechtspreis der Nationalen Bewegung für Menschenrechte (MNHD) überreicht. Jetzt fordern die Indianer von der Bundesregierung in Brasilia, die Konflikte um ihr Land nach Recht und Gesetz zu beenden und die Mittel für die Absicherung ihrer Ländereien zur Verfügung zu stellen.


Die Tapeba ringen um Anerkennungoben
Tapeba Indianer. Foto Tonio Vargas, 1997Besonders stürmisch wurde Rüdiger Nehberg bei seiner Ankunft in Fortaleza im Bundesstaat Ceará von einer Gruppe Tapeba-Indianern begrüßt. Im Gegenzug besuchten Nehberg und der GfbV-Indianerexperte Theodor Rathgeber wenige Tage später ein Tapeba-Dorf bei Caucaia sowie eine nahegelegene Siedlung der Pitaguary. Die Ureinwohnergemeinschaften im Nordosten Brasiliens - je nach Zählung 23 bis 36 mit ingesamt mindestens 40.000 Angehörigen - finden im Gegensatz zu den Amazonasvölkern wenig Beachtung. Dabei haben auch sie einen Teil ihrer traditionellen Kultur und Sozialordnung bis heute bewahrt.
Die heute etwa 3.200 Tapeba leben auf 440 offiziell zugewiesenen Hektar Land. Der Großteil der ca. 30.000 Hektar, auf die sie Anspruch haben, wurde ihnen geraubt. Viele Tapeba, die sich aus Landwirtschaft und Fischfang nicht mehr versorgen können, gehen betteln. Der Tapeba-Sprecher Dourado wurde bereits vier Mal von angeheuerten Revolverhelden mit dem Tode bedroht. Kein Wunder, dass sich die Tapeba bisher noch kaum getraut haben, auf ihre Anerkennung als Ureinwohner und die Klärung ihrer Landrechte zu dringen.

Das soll sich jetzt ändern. Der Besuch der GfbV bei den Tapeba und Pitaguary hat brasilianische Medien zu einer positiven Berichterstattung veranlasst. Um die Anliegen seiner Gemeinschaft auch in Deutschland bekannt zu machen, luden wir Dourado zur Rückkehr von Rüdiger Nehberg nach Deutschland ein. Bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit sowie bei deutschen Firmen, die in Ceará aktiv sind, werben wir jetzt um organisatorische und juristische Unterstützung für die Tapeba und ihre indianischen Nachbarn. Bei seinem Besuch bei Misereor hat Dourado bereits eine Hilfszusage erhalten.


Guaraní-Kaiowá: dramatische Selbstmordrateoben
Der Spirituelle Führer der Gemeinschaft Mbya von São Miguel/Biguaçu (SC). Foto aus: http://www.uni-mainz.de/~lustig/guaraniZu den besonders gefährdeten indianischen Gemeinschaften Brasiliens zählen die etwa Kaiowá im südlichen Bundesstaat Mato Grosso do Sul, eine Untergruppe der Guaraní. Ihr Name bedeutet "Herrscher der Wälder" und das waren die Kaiowá noch vor etwa 200 Jahren. Doch von ihrem einst riesigen Gebiet blieben ihnen nur einige hoffnungslos übervölkerte Kleinstreservate, umschlossen von Großgrundbesitz und Städten. Selbst diese Reservate werden ihnen heute streitig gemacht.
Während der Militärdiktatur in Brasilien (1964-1985) wurden die Guaraní zur Arbeit in Köhlereien oder auf Zuckerrohrplantagen gezwungen und teilweise mit Alkohol "entlohnt". Während der Erntezeiten wurden junge indianische Frauen fast schon systematisch vergewaltigt. Innerhalb weniger Jahrzehnte lösten sich die meisten Gemeinschaften der Kaiowá auf. Da ihre kleinen Landparzellen nicht genügend hergaben, mussten sie sich von Abfällen am Rande der Städte ernähren. Mit der Verelendung nahmen nicht nur die Krankheiten zu. Seit 1987 haben sich mehr als 250 Kaiowá das Leben genommen.
Im Januar 1994 drohten ca. 140 meist jugendliche Kaiowá mit kollektiver Selbsttötung, sollten sie von ihrem Reservat Jaguapiré vertrieben werden. Obwohl das Territorium bereits demarkiert war, vermochten zwei Großgrundbesitzer bei der lokalen Justiz eine Räumungsverfügung zu erwirken. Bis heute ist noch nicht entschieden, wem das Land gehört.
Seit 1998 regiert in Mato Grosso do Sul ein Gouverneur, der sensibler für die Überlebensprobleme der Ureinwohner in seinem Bundesstaat ist. Doch seine finanziellen Mittel bleiben knapp bemessen. Deshalb hat sich die GfbV nach Absprache mit der Indianer-Dachorganisation CAPOIB dazu entschlossen, Nothilfe für die Kaiowá zu vermitteln. Durch eine Verbesserung ihrer Lebensumstände werden die Indianer hoffentlich neuen Mut fassen.


Das unternimmt die GfbV für die Indianer Brasiliensoben
Seit den frühen 70-er Jahren setzt sich die GfbV für die Indianer Brasiliens ein. Durch die Einladung von Delegationen, Pressekonferenzen, öffentliche Aktionen und Protestkampagnen haben wir auf Völkermord und Menschenrechtsverletzungen an den Ureinwohnern, die Zerstörung der Regenwälder und akute Landrechtskonflikte hingewiesen. Zusammen mit der zunehmend besser organisierten indianischen Bürgerrechtsbewegung haben wir erreicht, dass immerhin die schlimmsten Verbrechen gestoppt wurden. Doch wenn wir das Überleben der indianischen Gemeinschaften dauerhaft sichern wollen, dürfen wir die Hände jetzt keinesfalls in den Schoß legen.

· Nach dem Vorbild der Krankenstation bei den Yanomami will GfbV-Aktivist Rüdiger Nehberg einen kleinen Gesundsheitsposten bei den Waiapi einrichten. Um in der deutschen Öffentlichkeit weiterhin für die Rettung der Regenwälder und die Ureinwohner Brasiliens zu werben, wird er den Baumstamm, mit dem er den Atlantik überquert hat, u.a. auf der EXPO in Hannover ausstellen.
· Auf Bitte der Yanomami von Papiu Novo wird GfbV-Aktivistin Christina Haverkamp im dem Dorf die Einrichtung einer kleinen Schule betreuen. Der Unterricht in Portugiesisch sowie in ihrer eigenen Sprache soll den Indianern helfen, sich in der brasilianischen Gesellschaft zu behaupten.
· Zusammen mit der Indianer-Dachorganisation CAPOIB wird die GfbV Nothilfe für die verelendeten Guarani-Kaiowá im Bundesstaat Mato Grosso do Sul organisieren. Damit wollen wir den brasilianischen Staat drängen, seine Fürsorgepflicht auch gegenüber dieser Ureinwohnergemeinschaft zu erfüllen.
· Mit dringenden Appellen an die brasilianischen Behörden wird die GfbV Gemeinschaften wie die Makuxi und die Pataxo bei der Durchsetzung ihrer Landrechte unterstützen. Für engagierte Mitglieder der Bundesanwaltschaft und Rechtsanwälte der Indianer wollen wir ein Austauschprogramm mit deutschen Partnern vermitteln. Für akute Landstreitigkeiten sowie für Verfahren zur Anerkennung indianischer Gemeinschaften initiiert die GfbV einen Rechtshilfefonds.
· Den Tapeba-Indianern im Bundesstaat Ceará wollen wir helfen, anerkannt zu werden. Deutsche Firmen und Institutionen, die in ihrer Nähe tätig sind, werden wir um Unterstützung bitten.
· Die Protestmärsche der Indianer aus Anlass der 500-Jahr-Feiern Brasiliens begleiten wir mit Öffentlichkeitsarbeit und laden noch in diesem Jahr eine Delegation nach Deutschland ein.
· Die GfbV wird ein Buch des Indianer-Missionsrates CIMI, das 500 Jahre Völkermord, Verfolgung und Unterdrückung der Ureinwohner Brasiliens dokumentiert, bei einem deutschen Verlag mit herausgeben.


Die Indianer Brasiliensoben

Staat
Indigene Völker
Nr.
Acre
Arára, Asheninka, Huniquim, Katukina do Acre, Manitenéri, Maxineri, Poyanáwa, Yaminawá, Yawanáwa, Makuráp, Apurinã, Katukína, Kulina, (Venezuela/Colombia) Amawáka (Peru), Kaxinawá (Peru)
6.610
Alagoas
Jerinpancó, Karapotó, Kariri-Xocó, Tingui-Botó, Wassú, Xucurú-Karirí
4.917
Amapá
Galibí Marworno, Karipúna, Palikur, Waiãpi, Galibí (Guiana Francesa)
5.095
Amazonas
Banavá-Jafí, Caixana, Corvana, Dení, Diahói, Himarimã, Hixkaryana, Issé, Jarawára, Juma, Kambéba, Kanamatí, Kanamari, Katawixi, Kokáma, Korubo, Marúbo, Matis, Mayorúna, Miranha, Múra, Múra-Pirahã, Nukuíni, Parintintín, Paumarí, Sateré Mawé, Taríana, Tenharín, Tikúna, Torá, Tshom-Djapá, Tukano, Wamiri, Yamamadí, Yabaána, Zuruahã, , Maku, Warekéna (Venezuela), Karafawyána Sakiribar, Apurinã, Katukína/ Kulina, (Venezuela/Colômbia), Makú (Colômbia), Baníwa (Colômbia/Venezuela), Baré (Venezuela), Katuena, Mawayana, Munduruku, Xeren, Vitotó (Peru), Atroarí, Yanomámi, Waiwai, Kaxarari.
89.529
Bahia
Aricobé, Gerén, Kaimbé, Kantaruré, Kirirí, Pankararé, Pankaru, Pataxó, Pataxó ha hã hãe, Xucurú-Kariri, Pankararú, Tuxá.
8.561
Ceará
Calabassa, Jenipapo Kanindé, Karirí, Paiaku, Pitaguari, Tapeba, Tabajara, Tremenbé.
4.650
Espírito Santo
Tupiniquim, Guarani M' Biá.
1.347
Goiás
Tapuia, Avá- Canoeiro, Karajá.
142
Maranhão
Canela, Guajá, Guajajára, Kokuiregatejê, Kreye, Krikatí, Urubu-Kaapor, Gavião.
14.271
Mato Grosso
Apiaká, Arára do Aripuanã, Arará do Guariba, Awetí, Bakairí, Bororo, Enawenê-Nawê, Irántxe, Kalapálo, Kamayurá, Kuikúro, Matipú, Mehináku, Ofayé, Panará, Paresí, Rikbaktsa, Suyá, Tapirapé, Tapayuna Trumaí, Txikão, Umutína, Waurá, Xavante, Yawalapití, Kadiwéu, Jurúna, Kayabí, Kaypó, Cinta Larga, Zoró, Itogapúk, Nambikwára, Suruí, Karajá.
17.329
Mato Grosso do Sul
Camba, Guató, Kadiwéu, Guarani-Nhandeva, Guarani- Kaiwá, Terena.Kaiwá, Terena.
45.259
Minas Gerais
Kaxixó, Krenak, Maxakali, Xakriabá.
6.200
Pará
Amanayé, Anambé, Apalaí Arára do Pará, Araweté, Asuriní do Trocará, Asuriní do Koatinemo, Kaxuyána, Parakanã, Suruí do Pará, Tiryó, Turiwára, Warikyána, Wayâna, Xipáya, Zo'é, Tembé, Karafawyána, Katuena, Mawayana, Munduruku, Xeren, Jurúna, Kayabí, Kayapó, Gavião, Waiwai, Karajá, Kuruáya.
15.715
Paraíba
Potiguára
6.902
Paraná
Guarani - Nhandeva, Guarani M' Biá, Kaingáng, Xetá.
7.921
Pernambuco
Atikum, Fulniô, Kambiwá, Kapinawá, Truká, Xukurú, Pankararú, Tuxá
19.950
Rio de Janeiro
Guarani-M 'Biá
271
Rio Grande do Sul
Kaingáng
13.354
Rondônia
Aikaná, Ajuru, Akuntsu, Arará, Arikapú, Arikém, Aruá, Awakê, Gavião, Jabutí, Kanoê, Karipúna do Guaporé, Karitiána, Koaia, Mekém, Pakaánova Paumelenho, Tuparí, Uarí, Urueuwauwau, Urubu, Urupá, Cinta-Larga, Zoró, Itogapúk, Nambikwára, Suruí, Sirionó (Bolívia), Kaxarari, Makurap, Sakiribar.
5.573
Roraima
Ingarikó, Makuxí, Mayongóng, Taulipáng, Wapixána, Atroarí, Yanomámi, Waiwai
37.025
Santa Catarina
Xokléng, Guarani-M' Biá, Kaingáng
6.667
São Paulo
Guarani- Nhandeva, Guarani M'Biá, Kaingáng, Terena.
1.774
Sergipe
Xocó
230
Tocantins
Apinayé, Javaé, Krahô, Xambioá, Xerente, Avá Canoeiro, Karajá.
6.360
TOTALE / INSGESAMT
325.652
Quelle: FUNAI, Volkszählung 1995
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