Bozen, 3. Januar 2005
Die Gesellschaft für bedrohte Völker -
Südtirol zusammen mit 4Art,
einige Kunstler denen die Menschenrechte zu Herzen liegen und dem
Verein für internationale Zusammenarbeit und
Entwicklungshilfe MondoSud-SüdWelt ONLUS unterstützten
einen Kindergarten in Grozny. 4@rt ist eine Organisation, die
sich in den Dienst der Kunst, der Kultur stellt. Aus diesem Grund
ist die Idee entstanden gemeinsam mit der Gesellschaft für
bedrohte Völker eine Ausstellungsspirale zu beginnen, d. h.
mit Beginn im Dezember 2004 bis Dezember 2005 spiralenförmig
Ausstellungen zu organisieren. "Für die Kunst" bedeutet
auch, sich für die Fantasie des Menschen einzusetzen, denn
dort ist der Ursprung jedes Kunstwerkes, dort wohnt der
Schöpfergeist des Künstlers. Jede Künstlerin und
jeder Künstler wird ein Werk der Gesellschaft für
bedrohte Völker schenken, als Hommage an das Besondere jedes
Menschen, jedes Volkes und jeder Kultur.
Ziel ist es, im Dezember 2005 eine Gemeinschaftsausstellung mit
den gesammelten Kunstwerken zu veranstalten. In diesem Sinn sehe
ich als Kuratorin den Wert dieses Projektes im Prozess. Nicht ein
vorgeschriebenes Thema verbindet die Künstler/innen
miteinander, sondern die Idee das Projekt SIEDA zu unterstützen,
darin liegt das Gemeinsame.
Milena Copeta setzt sich in ihren letzten
Arbeiten verstärkt mit dem Ego auseinander. Das, was die
Künstlerin erforscht und zeigt ist ein Ego in Masken des
Gesichts und Flügeln des Körpers. C.G. Jung
definiert das Ego als den zentralen Komplex des Bewusstseins.
Wenn wir "Komplex" hören, denken wir tendenziell an etwas
Pathologisches; ein Komplex ist aber nichts anderes als ein
affektiv geladenes Bündel von Energie. Diese Energie, das
Ego als Komplex ist in hohem Maße veränderbar und als
Prozess zu verstehen.
Milena Copeta setzt sich in ihren Arbeiten mit diesem Prozess
auseinander und demaskiert: Stolz, arrogante
Selbstanmaßung, narzisstische Selbstverliebtheit, das
Bedürfnis, sich selbst zu allen Zeiten, an allen Orten und
unter allen Umständen als separat zu sehen dieses Ego ist
der erbitterte Feind von allem, was in der menschlichen Erfahrung
heilsam ist. Wenn dieses Ego demaskiert ist und direkt als das
erkannt wird, was es ist, endlich unverhüllt von den anderen
Ausdrucksformen der Persönlichkeit, dann steht man
buchstäblich einem Dämon gegenüber ein Dämon,
dessen Existenzgrundlagen Macht, Beherrschen, Kontrolle und
Trennung sind, der sich nur um sich selbst kümmert und der
die Absicht hat, alles und jedes zu zerstören, das gut und
wahr ist, um unbeschadet und stets als Herr der Lage
überleben zu können. Dieser Dämon besitzt nicht
die Fähigkeit zu Anteilnahme, Mitgefühl,
Großzügigkeit und Liebe; er genießt seine
absolute Unverletzlichkeit; und, was am schlimmsten ist, ihm wird
niemals etwas heilig sein.
Milena Copeta zeigt in ihren Masken dieses Alter Ego, doch nicht
nur. Die "Flügel" des Körpers" zeigen ein ganz anderes
Ego. Was sehen wir da? Wie sehen wir die "Flügel" des
Körpers? Der Künstlerin geht es nicht um eine Antwort,
sondern um einen Dialog, zwischen den "Masken des Gesichts" und
den "Flügeln des Körpers", dem Ego und seinem Alter
Ego. In diesem Dialog entsteht ein neues Ego, das in den Worten
der Künstlerin: "im Fliegen" entsteht, weil der menschliche
Geist stets die Möglichkeit hat, sich zu erneuern, eben auch
im Fliegen.
Margit Strobl, 4Art. Die Kunstlerin Milena Copeta.