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Zentralafrikanische Republik: Weltsicherheitsrat berät über dramatische Lage (25. November)

Friedenstruppen der Vereinten Nationen müssen Schutz der Zivilbevölkerung sichern

Bozen, Göttingen, 24. November 2013

Der Weltsicherheitsrat berät über den Einsatz von Friedenstruppen in der Zentralafrikanischen Republik. Foto: UN Photo/Eskinder Debebe. Der Weltsicherheitsrat berät über den Einsatz von Friedenstruppen in der Zentralafrikanischen Republik. Foto: UN Photo/Eskinder Debebe.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat den sofortigen Einsatz von UN-Friedenstruppen in der Zentralafrikanischen Republik gefordert, um den Schutz der Zivilbevölkerung in dem von einem Bürgerkrieg erschütterten Land zu garantieren. "Die internationale Staatengemeinschaft muss nun endlich handeln, um weitere blutige Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen sowie Gewalt von Warlords zu verhindern", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. "Jeder zehnte Bürger des Landes ist wegen der Gewalt bereits auf der Flucht. Die Hälfte der fünf Millionen Einwohner des Landes ist auf humanitäre Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Nur UN-Friedenstruppen können ein Massensterben verhindern."

Am Montag berät der Weltsicherheitsrat über den Einsatz von Friedenstruppen in der Zentralafrikanischen Republik. Während UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Frankreich für die Entsendung von bis zu 6000 UN-Blauhelmsoldaten plädieren, will die USA nur die von der Afrikanischen Union entsandte MISCA-Friedenstruppe finanziell fördern. "Doch es ist fraglich, ob die afrikanischen Soldaten schnell genug stationiert werden können, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern. Denn der afrikanischen Streitmacht fehlt es an finanzieller Unterstützung, Transportkapazität sowie an der Entschlossenheit, weiteres Blutvergießen zu verhindern." Der Einsatz von Blauhelmsoldaten mache aber nur Sinn, wenn zugleich auch der Aufbau eines funktionierenden Staatswesens von der internationalen Gemeinschaft gezielt gefördert werde, forderte die GfbV. "Denn solange Warlords ungestraft die Zivilbevölkerung terrorisieren können, wird es keinen Frieden geben", erklärte Delius.

Die Spannungen zwischen verfeindeten Ethnien und Religionsgemeinschaften haben in den letzten Monaten massiv zugenommen. Nach der Machtübernahme der überwiegend muslimischen Seleka-Rebellen im März 2013 hatte es zahlreiche Übergriffe ihrer Kämpfer auf Christen und Bahai'i gegeben. Priester, Gläubige und Kirchengebäude wurden angegriffen, von Christen bewohnte Häuser wurden niedergebrannt. Selbst die Kathedrale der Hauptstadt Bangui und soziale Einrichtungen der Kirchen wurden von Seleka-Kämpfern attackiert. Daraufhin bauten Christen Bürgerwehren auf, die wiederum Muslime alleine aufgrund ihres Glaubens verfolgen. So wurden Marktstände muslimischer Händler systematisch von Bürgerwehren zerstört. Allein im September 2013 starben mehr als 150 Menschen bei dieser Gewalt. Die USA und Frankreich warnten letzte Woche vor einem Völkermord in der Zentralafrikanischen Republik. Christen stellen rund 75 % der Bevölkerung (40% Protestanten, 35% Katholiken), nur rund 10% sind Muslime und 10% gehören indigenen Religionen an.

"Der Kreislauf der Gewalt nimmt immer dramatischere Ausmaße an", warnte Delius. Die Seleka-Kämpfer und die von Christen aufgebauten Bürgerwehren entziehen sich jeder Kontrolle durch die Behörden. Wahllos plündern, morden und vergewaltigen sie. Jede staatliche Ordnung ist zusammengebrochen. Auch hat sich die Zahl der von allen kämpfenden Parteien eingesetzten Kindersoldaten seit März 2013 auf inzwischen 6.000 Minderjährige verdoppelt.